Bibelimpuls – Getauft und geweiht

1. BIBELVERS(E)

„Und sie sangen ein neues Lied: Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern und du hast sie für unsern Gott zu Königen und Priestern gemacht; und sie werden auf der Erde herrschen.“             Offenbarung 5,9-10

2. KURZ-IMPULS

Papst Benedikt XVI. lädt uns heuer ein, besonders um und für die Priester zu beten. Aus diesem Anlass möchte ich einige Gedanken zum allgemeinen Priestertum und zum besonderen Priestertum mit euch teilen.

Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann lies weiter …

3. VERTIEFUNG

Jeder Getaufte hat Anteil am allgemeinen Priestertum, am Prophetenamt und an der Königsherrschaft Jesu Christi. Anteil am allgemeinen Priestertum zu haben bedeutet, dass jeder Christ seine Welt vor Gott bringt, damit sie vom Heiligen Geist berührt und gewandelt wird. Das ist ja gerade unsere Aufgabe, dass wir uns nicht durch irgendwelche Meditations-, Gebets-, oder andere Techniken aus dieser Welt „davon schleichen“ und uns von ihr abschotten, sondern dass wir mitten im Leben stehen, verwundet werden und so mit dieser unserer Welt der Familie, der Gesellschaft, des Berufs, der Wirtschaft und mit unseren persönlichen und öffentlichen Krisen zu Gott gehen.

So wird die Welt durch die Christen zu Christus gebracht, um von ihm geheilt und geheiligt zu werden. Wahrlich eine große und wichtige Aufgabe.

Das Prophetenamt bezeichnet die Aufgabe der Christen, hellsichtig zu sein, sich kein X für ein U vormachen lassen, die Zeichen der Zeit zu erkennen, nicht dem „Mainstream“ nachzulaufen, sondern aus dem Evangelium heraus die Entwicklungen, Meinungen seiner Zeit zu bedenken, zu bewerten und Fehlentwicklungen ein christliches Zeugnis entgegenzustellen. Wir brauchen uns nur Franz Jägerstätter vor Augen zu halten, um zu sehen, was mit dem Prophetenamt gemeint ist. Es gründet sich auf die Aussage Jesu: Ihr seid das Licht der Welt, Salz der Erde, Stadt auf dem Berg!

Als Getaufte Anteil am Königtum Jesu Christi zu haben bedeutet zu wissen, in welche Richtung die Geschichte läuft. Es bedeutet, aus der Kraft der Taufe in den Sieg Jesu einzutreten, Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit zu haben. Wir sind ja jeden Tag dazu herausgefordert, aufgrund der uns innewohnenden Schwäche, aufgrund der Verletzungen, die wir jeden Tag abbekommen, aufgrund so vieler schlechter Nachrichten, die es jeden Tag zu Recht zu berichten gibt. Immer wieder heißt es da: Und trotzdem, die Menschen sind Kinder Gottes. Und Jesus ist genau für dieses Unrecht, für jene Schwäche in den Tod gegangen. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Es ist geschehen und jetzt nehme ich diese „Heils-Tatsachen“, die durch Jesus in die Welt gekommen sind, als Gottes geliebtes Kind in Anspruch für jegliche Unheilsituation, die mir begegnet.

Ausgerüstet für dieses dreifache Amt werden die Getauften durch den Heiligen Geist. Er schenkt seine Gaben und nimmt natürliche Begabungen der Menschen für den Aufbau des Reiches Gottes in Dienst. Durch ihn bekommt Christus heute in den Menschen wiederum Fleisch und Blut, Hände und Füße, Ohren und einen Mund.

Der geweihte Diakon, Priester und Bischof hat wie alle Christen durch die Taufe Anteil am allgemeinen Priestertum, Prophetenamt und an der Königsherrschaft Jesu Christi. Aber es kommt noch etwas Wesentliches dazu: die sakramentale Weihe.

Etwas oder jemanden zu weihen bedeutet, ihn einerseits auszusondern für den religiösen Dienst und andererseits, dass Gott diesen ausgesonderten Menschen auch für diesen Dienst mit dem Heiligen Geist ausstattet. Das hat nichts mit seinen natürlichen Fähigkeiten zu tun. Auch nicht mit Wissen, das sich jemand angeeignet hat. Es gab und gibt Priester in den unterschiedlichsten Tätigkeiten, mit unterschiedlicher Ausbildung, mit unterschiedlichsten persönlichen Fähigkeiten: als Pfarrer, als Professoren, als Verwalter, als Ärzte, etc. Was sie verbindet, ist die Weihe. Und damit bindet sich Gott nur an ihr Wort und Gebet bei der Feier der Eucharistie, beim Sakrament der Versöhnung, bei der Krankensalbung usw..

Natürlich ist es gut, wenn der Priester für den Einsatzbereich, in dem er wirken soll, bestimmte Fähigkeiten und Begabungen mitbringt, aber es ist keine Voraussetzung für die Erwählung durch Gott. Denken wir an Johannes Maria Vianney (Hl. Pfarrer von Ars), der große Schwierigkeiten hatte, die erforderlichen Prüfungen zu bestehen und dennoch ein heiliger Priester wurde, der sehr erfolgreich in der Seelsorge wirkte, sodass er heute ein Vorbild für alle Pfarrer ist.

Es gibt aber dabei sicher zumindest zwei Gräben, in die wir fallen können. Der eine besteht darin, dass ein Priester meint, eben weil er zum Priester geweiht ist, besitze er alles Wissen, alle Gaben des Heiligen Geistes und alle Fähigkeiten, die es in der Kirche braucht. Manche gehen noch weiter und meinen, dass sie deshalb, weil sie geweiht sind, auch von allen möglichen weltlichen Dingen etwas verstehen; und dass ein Priester eben weil er geweiht ist, das Ringen um die persönliche Heiligung vernachlässigen könne. Das führt zu Überheblichkeit und zu einer großen Schwierigkeit auf Seiten der Gläubigen, ihn als Priester zu akzeptieren.

Der andere Graben besteht darin, dass Gläubige meinen, weil sie an den Priestern große menschliche Schwächen und Sünden entdecken, sei das Sakrament der Weihe zum Diakon, Priester und Bischof überflüssig und der Gemeinschaft der Gläubigen würden die Gaben des Heiligen Geistes genügen, die Sakramente könnten vernachlässigt werden. Dadurch verliert eine kirchliche Gemeinschaft große Gnaden, die an die Sakramente gebunden sind.

Das entscheidende ist das Zusammenwirken der Gläubigen mit ihren Fähigkeiten und den Priestern, die ihren Dienst als Hirten, Lehrer und Propheten wahrzunehmen haben.

Im Leib Christi, der Kirche ist es dem Priester aufgegeben, Christus als das Haupt zu repräsentieren, vor allem bei der Feier der Eucharistie. Aber im Hinblick auf das Oben gesagte, muss er hinhören, was die Laien durch ihre Begabungen einbringen, was sie auch besser übernehmen können, als er es selbst ausführen könnte.

Noch ein Tipp: Oft agieren wir in der Kirche so, als hätten wir ein Erbe zu verwalten. Ein Erbe wird aber erst angetreten, wenn der Eigentümer tot ist! Was wir entdecken müssen, ist: der Eigentümer lebt! Christus lebt! Und wir leben als Christen, als Kirche nur aus ihm und mit ihm und in ihm. Das gilt es wieder zu entdecken. Dazu hilft uns vor allem die Anbetung des Herrn in der Eucharistie!

Ich möchte euch heute besonders zum Rosenkranzgebet vor der heiligen Messe einladen, bei dem, so oft es möglich ist, Jesus im Allerheiligsten Sakrament ausgesetzt sein wird. In Italien hat um 1860, in einem Ort mit etwa 3000 Einwohnern, eine Gruppe von Frauen im Anliegen um geistliche Berufungen  vor dem Allerheiligsten Sakrament zu beten begonnen. Auch haben sie die Heil. Kommunion am 1. Sonntag jedes Monats in der Meinung empfangen, dass sie besonders für die Eucharistie gedankt haben. Bis heute sind dort insgesamt 352 Frauen und Männer in den Ordensstand und zu Priestern berufen worden, davon etwa 160 zu Priestern.

Jesus ist der Herr aller Zeiten und bei uns heute genauso gegenwärtig wie in diesem Ort in Italien!

Pfarrer Mag. Sepp Michal

 

(aus: Leitartikel / Rundbrief der Charismatischen Erneuerung der Diözese Linz 3/2009