Bibelimpuls – Wen soll ich senden?

 

1. BIBELVERS(E)
„Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße und mit zwei flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich! “ Jesaja 6,1-8

2. KURZ-IMPULS
Die Berufung des Jesaja ist eine meiner „Lieblings-Lesungen“ im Laufe des Kirchenjahres. Mit dem Todesjahr des Königs Usija von Juda (739 v. Chr.) beginnt das Wirken des großen Propheten. Gott selber beruft ihn durch eine Vision. In jeder hl. Messe erinnern wir uns an geben diese Vision. Aber wann genau ist das?
Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann lies weiter …
3. VERTIEFUNG
Im Heilig-Gebet der Eucharistiefeier treten wir gleichsam in diese Vision des Jesaja ein. Wir wenden unseren inneren Blick auf „den Heiligen“, auf Gott. Wie allein schon der Saum seines Gewandes den Tempel in Jerusalem füllte, so ist die Größe Gottes für den menschlichen Geist viel zu groß, um erfasst werden zu können.
Es bleibt darum auch ein großes Geheimnis, wie es möglich wird, dass Gottes Sohn in der Eucharistie so klein werden und in der Gestalt von Brot und Wein Wohnung in uns Menschen nehmen kann.
Und wie die glühende Kohle des Seraf den visionären Jesaja von Sünde und Schuld reinigte, ebenso sollen uns die Sakramente, durch die Gott uns Menschen wieder und wieder berührt, für die große Begegnung mit ihm am Ende unseres irdischen Lebens vorbereiten.

Gott hat nur ein Ziel mit uns Menschen: Wir sollen heilig werden!
Darum sollten wir in dieser Hinsicht unbescheiden sein: Du könntest von heute an jeden Tag Gott bitten, er möge dir helfen, ein/e große/r Heilige/r zu werden. Unsere Zeit braucht große Heilige, große Vorbilder!

Und wo beginnt deine Heiligkeit?
Wenn der Herr dich heute fragt: „Wen soll ich senden in deine Familie hinein, in deine Ehe, in deine Pfarre, in deine Firma?“, dann antworte wie jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“ Denn heilig kannst du nur mitten in deinem Alltag werden.
Wenn dir das schwerfällt, so beginne am besten damit, „danke“ zu sagen für all das, was sich in deinem Leben und in deiner Umgebung bereits zum Guten gewendet hat. Wir schauen oft nur auf das, was unseren Vorstellungen noch nicht entspricht.

Einfach ist es, ganz im Verborgenen und Kleinen heilig zu werden. Dazu ein Hinweis:
Im Lauf der Kirchengeschichte soll es einen Papst gegeben haben, der ein exzellenter Prediger war. Dessen war er sich auch sehr bewusst! Wenn er nun die hl. Messe feierte und seine glänzenden Predigten hielt, fiel ihm immer wieder eine ältere taubstumme Frau auf, die vorne in der ersten Reihe saß. „Wie schade ist es doch“, dachte er oft bei sich“, dass sie meine Predigten nicht hören kann!“
Eines Nachts hatte er einen Traum: Er sah sich in seiner Kirche bei der hl. Messe. Auch die taubstumme Frau war wieder da. Und er hörte sich wiederum sagen: „Wie schade, dass sie meine Predigt nicht hören kann!“
Da hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: „Mein Freund, wenn diese Frau nicht jeden Tag für dich beten würde, wenn du predigst, könntest du kein einziges Menschenherz erreichen.“
Wer war deiner Meinung nach eher auf dem Weg der Heiligkeit: dieser Papst oder die taubstumme Frau?
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaDiakon Christoph Mittermair