Höre Israel

1. BIBELVERS(E)
“Ein Schriftgelehrter ging er zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?  Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr und es gibt keinen anderen außer ihm und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.”

Markus 12,28b-34a

2. KURZ-IMPULS
Damals, als ich vor vielen Jahren in die Volksschule ging, fand ich in meinem Lesebuch eine Geschichte und ein Bild vom sogenannten Schlaraffenland. Die Menschen lagen im Schatten der Bäume. Niemand musste arbeiten. Nicht nur herrliche reife Früchte, sondern auch Würste hingen von den Bäumen und Sträuchern. Man musste einfach nur danach greifen. Die Fische und Backhendl flogen durch die Luft, genau in die Hand oder in den Mund der Menschen. Ich war fasziniert von diesem Bild.

Mittlerweile leben wir heute in Mitteleuropa wie in einem Paradies. Wir leben in einer Zeit der Machbarkeit, in einer Zeit der 5-Tage-Arbeitswoche, wie der sozialen und medizinischen “Rundum-Versorgung”. Wir leben in einer Zeit der vollen Schokoladenregale in den Geschäften und in einer Zeit, da wir Essen gehen, wenn uns das Kochen nicht freut. Wir leben in einer Zeit der Mega-Events und der Wochenend-Feste, in einer Zeit der Traumurlaube, der Wellness-Oasen und der Thermen-Genüsse. Wir leben in einer Zeit von Playstation, Nintendo und Wii, von Notebook und Flachbild-Fernseher und in einer Zeit von All-in-One- und Multi-touch-Geräten, von Modetrends und Mediengläubigkeit, von Unabhängigkeit und Selbsterlösung.
Wir haben es uns eingerichtet in unserer Zeit. Und wir haben das Herz an schillernde Halbgötter hängt.
Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann lies weiter …

3. VERTIEFUNG
Wir leben aber auch in einer Zeit der steigenden Arbeitslosigkeit, der unberechenbaren Finanzkrisen und der ernsthaften Wirtschaftsrezessionen. Wir leben in der Zeit der gestrandeten Beziehungen und der zerbrochenen Familien, in der Zeit der Abtreibung von ungeborenen Kindern und in der Zeit der steigenden psychischen Probleme, in der Zeit der Sexualisierung der Gesellschaft und des Burnouts.

Schön haben wir es uns eingerichtet. Aber worauf haben wir unser Leben bloß ausgerichtet?
Wir haben es weit gebracht. Unser Leben ist zwar ausgefüllt, unser Herz aber ist müde geworden und leer. Es fehlen uns der Friede des Herzens und die gute innere Ruhe.

Wir haben vergessen auf das zu hören, was Du, Jesus, uns sagst.
Du sagst uns heute: “Überlegt doch, wie es euch geht. Ihr sät viel und erntet wenig; ihr esst und werdet nicht satt; ihr trinkt, aber zum Betrinken reicht es euch nicht; ihr zieht Kleider an, aber sie halten euch nicht warm und wer etwas verdient, verdient es für einen löchrigen Beutel.” (Hag 2,6)

Herr Jesus, ich will heute zurückkehren zu Dir von ganzem Herzen und von ganzer Seele, mit meinem ganzen Verstand und mit all meiner Kraft. Du bist der Sohn des lebendigen und einzigen Gottes. Ich will heute neu beginnen, Dich zu lieben. Nur so kann ich auch die Menschen meiner Umgebung aus Deinen Augen sehen und sie neu zu lieben beginnen. Du aber, schenke mir ein hörendes Herz!

Diakon Christoph