Kreuz-Lebensbaum

1. BIBELVERS(E)
(Jesus antwortete Nikodemus) „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ Johannes 3,13-17

2. KURZ-IMPULS
Das Fest der Kreuzerhöhung (14. September) stellt eine Frage an uns: Was ist mir das Kreuz Jesu wert? Wie weit verbinde ich mich mit ihm? Wie weit betrachte ich es als Erlösungszeichen? Wie weit begleitet es mich in meinem Leben?
Deswegen nehmen wir heute das Kreuz ganz besonders heraus, weil letztlich im Kreuz alles gebündelt ist, was wir über die Erlösung wissen und glauben.
Das Kreuz als Erlösungszeichen ist für die Christen der zentrale Mittelpunkt des Glaubens. So viele Menschen suchen heute nach irgendjemandem, der ihnen helfen kann, aus einer inneren Not herauszukommen: Manche suchen Psychiater oder Therapeuten auf. Viele aber gehen zu Esoterikern in allen Variationen.
Früher aber hat man hier viel öfter das Sakrament der Beichte genützt, um von innerer Not, vor allem von der Schuld befreit zu werden. Die Menschen brauchen die Beichte. Sie ist der Ausweg in vielen Lebenslagen, die man nicht alleine bewältigen kann, die einem zu schaffen machen und deren Last man das ganze Leben irgendwie herumträgt. Dazu gehören nicht nur verschiedene Verfehlungen, sondern da gibt es oft auch oft ganz massive Fehltritte oder auch Irrwege, die wir gehen. Und das alles ist dann im Leben mitzuschleppen. Diese Lasten sind oft wie ein Schatten, der einen nicht verlässt und den man immer bei sich hat.
Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann lies weiter …

3. VERTIEFUNG
Das erinnert mich an die Geschichte des Schattenspringers: Dieser war ein Mensch, der seinem Schatten immer entfliehen wollte. Er sagte zu sich: „Nein, den Schatten brauche ich nicht! Der stört mich!“ Und er versuchte alles Mögliche, ihn abzuschütteln. Er ging bis zum Meer und dachte sich: „Vielleicht finde ich da meine Heilung.“ Aber als am Morgen die Sonne hochstieg, war sein Schatten da. So stieg er auf einen Berg, denn er meinte: „Vielleicht finde ich da meine Befreiung.“ Aber sobald die Sonne schien, war sein Schatten wieder da. Es gelang ihm nicht, ihn abzuschütteln, sondern er schleppte überall hin seinen Schatten mit.
So gibt es also Dinge im Leben, die auch wie ein Schatten sind und die wir einfach mitschleppen, die uns bedrücken und von denen wir befreit werden wollen. Da sollte man wieder neu anfangen können. Das wäre schön!
Endlich fand unser Schattenspringer einen weisen Mann. Und den fragte er: „Wie kann ich meinen Schatten loswerden? Wie kann ich mich von ihm befreien?“ Und der weise Mann sagt ihm: „Das ist ganz einfach. Stelle dich in den Schatten eines Baumes! Dieser wird deinen Schatten aufnehmen. Dann bist du von deinem Schatten befreit, weil er in einem anderen Schatten geborgen ist.“ Das tat der Schattenspringer. Und so wurde er des Lebens wieder froh.
Unsere Frage ist nun: Gibt es denn so etwas auch für den Menschen, damit er sich von den Schatten seines Lebens befreien kann?
Ja, der Mensch kann sich befreien, indem er zuerst einmal alles, was in seinem Leben nicht recht war, hinträgt vor den liebenden und suchenden Gott. Und wenn er zweitens das in seinem Herzen bereut und drittens sagt: „Jetzt bist du, Gott, für mich das Wichtigste! Du bist ab jetzt der Anker meines Lebens! Dir vertraue ich mich jetzt ganz und gar an!“ Nur so kann man den ganzen Ballast der Vergangenheit abwerfen.
Das Heilige Kreuz nun ist das Sinnbild für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Gott ist der, welcher den Menschen sucht; der ihn mit Geduld sucht, und der ihm immer wieder eine neue Chance eröffnet, sodass der Mensch seinen Schatten abwerfen kann.
Es ist nicht so, dass nur der Mensch hin und wieder auf verschiedenen Wegen Gott sucht. Zuerst sucht Gott uns, in ganz besonderer Weise durch seinen Sohn. Er ist die verkörperte Liebe Gottes am Kreuz. Gott hat uns so sehr geliebt, dass er seinen Sohn zu uns Menschen gesandt hat, ohne dass wir das verdient hatten. Durch das Kreuz will Gott unsere Sünden zudecken. Aber hingehen zu dieser Liebe müssen wir schon selber!
Im Lauf der Zeit haben die Menschen über das Kreuz viel nachgedacht und es auch geistig entfaltet als „Baum des Lebens“: In einem Baum sind ja die verschiedensten Dinge da, wie Laub oder Blüten. Selbst verschiedene Geschöpfe können hier wohnen. Einen solchen Lebensbaum musst du in deinem Leben haben!
Im 12. Jahrhundert hat man ein sehr schönes Bild gefunden, wo das Kreuz als Lebensbaum darstellt ist. Es ist ein schönes Mosaik-Kreuz in der berühmten Kirche San Clemente in Rom. Es ist ein blühender Baum, in dem die Vögel des Himmels nisten und der vielen Geschöpfen auch Nahrung gibt. Es ist der Baum des Kreuzes, von dem der Mensch leben kann. Du kannst viele kleine Bäume in deinem Leben haben. Als Christ aber sollst du nur einen einzigen Lebensbaum haben: den Kreuzesbaum.
Heute trägt man verschiedenste Amulette. Wenn du als Christ an deinem Körper aber ein Kreuz trägst, dann ist das gleichsam ein Bekenntnis zu diesem Lebensbaum. Denke daran, dass das Kreuz nicht nur ein abschreckendes Zeichen, ein Marterpfahl ist, sondern dass es durch die Auferstehung Jesu zum Lebensbaum geworden ist. Es ist das Zeichen deiner Erlösung!

                                                                                                                                                       Pino Montanus