Unglückstag


1. BIBELVERS(E)

„Am Glückstag erfreue dich deines Glücks, und am Unglückstag sieh ein: Auch diesen hat Gott geschaffen, genau wie jenen.“ Kohelet 7,14

2. KURZ-IMPULS
An manchen Tagen wünscht man sich, am Morgen gar nicht erst wach geworden zu sein. Da ist das kranke Kind zu Hause, dann rutschst du auf dem eisglatten Parkplatz aus, während die Kollegen am Fenster schadenfroh lachen, später gibt es dann ein Donnerwetter des Vorgesetzten, mittags brennt das Fleisch im Ofen an, nachmittags erfährst du die Verleumdung durch gute Bekannte, und später dann die schlechte Nachricht obendrein noch als Zugabe – oder so ähnlich…
„Unser Leben sei ein Fest“, heißt es in einem rhythmisches Lied, das wir als Jugendliche gern beim Gottesdienst gesungen haben. Aber ist das Leben wirklich ein Fest? Vielleicht denkst du jetzt: Nein, mein Leben ist doch gar kein Fest! Und es wird auch nie eines werden!
Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann lies weiter …

3. VERTIEFUNG
Ein Mann war einmal auf der Straße gestolpert und dann kopfüber gestürzt, weil einer seiner Schuhe gebrochen war. Die anderen lachten. Der Sturz hatte wirklich witzig ausgesehen. Und während seine Hände und sein Gesicht ein wenig bluteten, kamen Ärger und Groll über ihn. Kein Wunder, ich hätte wahrscheinlich auch so reagiert. Eine andere Möglichkeit für ihn wäre gewesen, wenn er gesagt hätte: „Ich nehme an, dass es lustig aussah, wie ich hinfiel. Und ich bin froh, dass es euch ein wenig Unterhaltung brachte, um den Tag zu erhellen.“
Aber wer schafft das?
Da erinnere ich mich an eine Ordensschwester auf der Heimfahrt von Medjugorje im Reisebus. Sie trug eine schöne, weiße Kutte. Sie erzählte uns gerade über das Fasten, und dass sie freitags nur Brot aß, sowie Wasser und etwas Kaffee trank. Gerade jetzt ging jemand durch die Reihen und bot Kaffee an. Die Schwester nahm die Kanne und goss sich Kaffee in eine Tasse. In diesem Moment bremste der Busfahrer und die Schwester schüttete einen Teil des herrlich braunen Getränks auf ihre weiße Kutte. Ende der Geschichte? Nein! Denn jetzt sagte sie: „Herr ich preise dich für den guten Kaffee auf meinem Kleid!“ Die Leute sahen einander betroffen an.
Und als die Schwester einige Stunden später in Graz den Bus verließ und in das Bahnhofsgebäude ging, leuchteten die Kaffeeflecken auf ihrer weißen Kutte, von weitem sichtbar.
An diesem Tag hatte ich viel gelernt. Seither weiß ich, dass auch „Unglückstage“ im Plan Gottes sind. Vielleicht lernen wir an ihnen manchmal mehr als an den guten Tagen, wo wir uns keiner Herausforderung stellen müssen.

                                                                                                                          Diakon Christoph